Helmut Kindler begeht 95. Geburtstag
10.12.2007 · Glückwunsch des Verbandes an einen der großen deutschen Verleger
Am 3. Dezember hat unser Ehrenmitglied Helmut Kindler in seinem Wohnhaus in der Schweiz den 95. Geburtstag begangen. Hierzu gratulieren wir ihm herzlich!
Kindler, Sohn eines preußischen Kriminalbeamten, verließ mit sechzehn Jahren das Gymnasium, um in Erwin Piscators Theater am Nollendorfplatz zu volontieren. Von 1929 bis 1933 war er an verschiedenen Berliner Bühnen Regieassistent und wurde mit Schriftstellern wie Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Hermann Kesten, mit Schauspielern wie Hans Schweikart, Peter Lorre, Fritz Kortner und Journalisten wie Sebastian Haffner oder Theodor Wolff bekannt.
1934 ließ sich der linksliberale Kindler als Kurier für jene Untergrundorganisation anwerben, die später als „Rote Kapelle“ in die Geschichte der Spionage einging. Von 1935 an arbeitete Kindler als Journalist und Hauptschriftleiter im Berliner Ullstein Verlag, bei dem er unter anderem eine Zeitschrift für „Front und Heimat“ herausgab. Als Kriegsberichterstatter und Redakteur einer Soldatenzeitung in Warschau riskierte er es, ein Waffenlager für eine polnische Widerstandsgruppe zu unterhalten. Im Herbst 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet, vor dem Volksgerichtshof wegen „Hochverrat, Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetung“ angeklagt, aber nach anderthalb Jahren Haft wegen Mangels an Beweisen zu „Frontbewährung“ verurteilt.
Nach dem Krieg war Kindler aktiv an der Gründung zweier Berliner Zeitungen, des „Tagesspiegels“ und der „Berliner Zeitung“, beteiligt. Von 1949 an wirkte er als Illustrierten-Herausgeber in München („Revue“ und „Bravo“), im Frühjahr 1951 kamen in dem neugegründeten „Kindler Verlag“ als erstes Buch die Memoiren von Ferdinand Sauerbruch heraus, die mit 1,5 Millionen verkauften Exemplaren der erfolgreichste Titel des Verlags wurden. Mit Biographien, Werken zum Zeitgeschehen und großen Enzyklopädien wurde das Unternehmen zu einem der bedeutendsten deutschen Traditionshäuser nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu Kindlers Autoren gehörten Willy Brandt, Ludwig Marcuse, Fritz Kortner, Walter Jens, Robert Jungk, Albert Schweitzer, nicht zuletzt Eugen Kogon (mit „Der SS-Staat“) und Sebastian Haffner (mit „Anmerkungen zu Hitler“).
Kindlers Lebensleistung wird von großen Reihenwerken, vielbändigen Lexika und Enzyklopädien gekrönt, die den wagemutigen Verleger jeweils bis zur Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit belasteten. Nicht zuletzt wegen solch risikoreicher Projekte musste Kindler 1977 seinen Verlag schließlich in die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH eingliedern.
Helmut Kindler hatte immer eine sehr enge Beziehung zu unserem Verband, an dessen Tagungen er noch bis vor wenigen Jahren regelmäßig teilnahm. Selbst ein Mann seines Schlages muss dem Alter Tribut zollen, weshalb es zuletzt ruhig um ihn geworden ist. Zu seinem wahrhaft biblischen Geburtstag senden wir ihm die allerherzlichsten Glückwünsche!!
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